Mineralölrückstände (MOSH und MOAH) sind Kohlenwasserstoffverbindungen, die nicht aus der Olive stammen, sondern über Maschinenöle, Verpackungen, Transport oder Umweltbelastung ins Olivenöl gelangen können. Sie werden im Labor mittels LC-GC-FID gemessen, angegeben in Milligramm pro Kilogramm, und betreffen grundsätzlich jedes Olivenöl – unabhängig davon, ob es biologisch angebaut wurde oder nicht.

In Kürze

  • MOSH und MOAH sind zwei unterschiedliche Gruppen von Mineralölkohlenwasserstoffen, die aus verschiedenen Quellen ins Lebensmittel gelangen können.
  • Die Kontamination hat nichts mit der Anbaumethode zu tun – ein Bio-Siegel schützt nicht automatisch davor.
  • Es gibt keinen einheitlichen gesetzlichen Grenzwert in der EU, weshalb Labor-Referenzwerte und unabhängige Analysen die einzige verlässliche Orientierung bieten.
  • Ein Hersteller kann das Risiko durch Verpackungswahl, Maschinenpflege und kurze Lieferketten senken, aber niemals vollständig ausschließen.
  • Wer als Käufer Sicherheit sucht, sollte konkret nach dem Laborbericht fragen – nicht nach einer allgemeinen Zusicherung.

Was sind MOSH und MOAH, und warum unterscheidet man sie?

MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) und MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) sind zwei chemisch unterschiedliche Gruppen von Kohlenwasserstoffen mineralischen Ursprungs, die in Lebensmitteln nachweisbar sein können. MOSH gelten als weniger besorgniserregend, reichern sich aber im Fettgewebe an. MOAH stehen im Verdacht, krebserregende Eigenschaften zu besitzen, weshalb Lebensmittelüberwachungsbehörden und Verbrauchertests diesen beiden Gruppen getrennte Aufmerksamkeit widmen. Diese Unterscheidung erklärt, warum ein Testergebnis nie nur eine einzige Zahl zeigt, sondern immer zwei getrennte Werte ausweist.

Wie gelangen Mineralölrückstände ins Olivenöl?

Die Kontamination entsteht typischerweise nicht in der Olive selbst, sondern entlang der Verarbeitungs- und Lieferkette. Zu den bekannten Eintragsquellen zählen:

  • Schmiermittel landwirtschaftlicher Maschinen und Mühlenanlagen, die bei der Ernte und Pressung mit dem Produkt in Berührung kommen können.
  • Netze und Planen, die während der Ernte zum Auffangen der Oliven verwendet werden und aus mineralölhaltigen Materialien bestehen können.
  • Transport und Lagerung in Tanks oder Behältern, die zuvor für andere Zwecke genutzt wurden.
  • Verpackungsmaterialien, insbesondere Kartons und Etiketten, deren Druckfarben Mineralölbestandteile enthalten können.
  • Umweltbelastung allgemein, etwa durch Abgase in der Nähe von Straßen oder Industrieanlagen.

Diese Vielfalt an möglichen Quellen erklärt, warum die Kontamination selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist und warum sie entlang der gesamten Kette – nicht nur im Feld – kontrolliert werden muss.

Schützt Bio-Anbau vor dieser Kontamination?

Nein, biologischer Anbau schützt nicht vor Mineralölrückständen, weil diese nicht aus der landwirtschaftlichen Methode stammen, sondern aus Maschinen, Materialien und Umgebung. Das Bio-Siegel zertifiziert, wie eine Olive angebaut wurde – ohne synthetische Pestizide und Düngemittel. Es sagt jedoch nichts darüber aus, welche Substanzen später bei Ernte, Pressung, Transport oder Verpackung ins Produkt gelangt sind. Genau das ist der Grund, warum in unabhängigen deutschen Tests wiederholt auch zertifiziert biologische Olivenöle wegen erhöhter Mineralölwerte auffielen. Wer verstehen möchte, was ein Bio-Siegel tatsächlich garantiert und was nicht, findet dazu eine ausführlichere Erklärung auf der Seite Was Bio wirklich garantiert — und was nicht.

Wie wird der Mineralölgehalt gemessen?

Der Nachweis erfolgt im Labor über eine gekoppelte Flüssigkeits- und Gaschromatographie, die MOSH- und MOAH-Fraktionen getrennt voneinander quantifiziert. Das Ergebnis wird in Milligramm pro Kilogramm Öl angegeben. Ein niedriger Wert bedeutet eine geringe nachweisbare Belastung, ein höherer Wert weist auf eine stärkere Kontamination entlang der Kette hin – ohne dass daraus automatisch eine akute Gesundheitsgefahr abzuleiten ist. Entscheidend ist, dass diese Analyse überhaupt durchgeführt und der Prüfbericht offengelegt wird, statt sich auf allgemeine Aussagen zu verlassen.

Gibt es einen gesetzlichen Grenzwert?

Nein, in der Europäischen Union existiert derzeit kein verbindlicher, einheitlicher Grenzwert speziell für MOSH und MOAH in Olivenöl. Aus diesem Grund orientieren sich Labore, Handelspartner und Verbrauchertests an Referenzwerten, die aus wiederholten Marktuntersuchungen und Empfehlungen von Lebensmittelbehörden abgeleitet werden, nicht an einer einzigen gesetzlich fixierten Zahl. Diese Unklarheit ist einer der Gründe, warum das Thema in Deutschland so viel Aufmerksamkeit erhält: Ohne festen Grenzwert entscheidet die Transparenz des einzelnen Herstellers darüber, ob ein Ergebnis eingeordnet werden kann oder nicht.

Was kann ein Hersteller konkret tun, um das Risiko zu senken?

Ein Hersteller kann die Kontaminationswege gezielt verkürzen und kontrollieren, auch wenn ein Wert von null praktisch nicht erreichbar ist, da Umweltbelastung überall vorhanden ist. Konkrete Maßnahmen umfassen die sorgfältige Wartung und Wahl der Maschinenöle in Feld und Mühle, den Verzicht auf mineralölhaltige Erntenetze, die Vermeidung längerer Zwischenlagerung in fremden Tanks sowie die bewusste Auswahl von Verpackungsmaterialien und Druckfarben. Bei Olio Cristofaro wird das gesamte Öl direkt in der Mühle in Torremaggiore abgefüllt, unmittelbar nach der Pressung, ohne Zwischenlagerung in externen Tanks und ohne zusätzliche Umfüllschritte – jeder dieser Schritte ist eine potenzielle Kontaminationsquelle weniger. Was das konkret bedeutet, lässt sich auf der Seite Unser Familienbetrieb nachvollziehen.

Worauf Käufer achten sollten

Wer beim Kauf von Olivenöl auf Mineralölrückstände achten möchte, sollte sich nicht mit allgemeinen Aussagen zufriedengeben. Sinnvoll ist es,

  • direkt zu fragen, ob der Hersteller eine MOSH/MOAH-Analyse durchführen lässt und den Prüfbericht anzufordern, nicht nur die Aussage dazu,
  • die Art der Verpackung und des Verschlusses zu prüfen, da Materialwahl ein bekannter Kontaminationsweg ist,
  • misstrauisch zu sein gegenüber Antworten, die sich ausschließlich auf das Bio-Siegel berufen, ohne die eigentliche Frage zu beantworten.

Alle Analysen und Zertifikate von Olio Cristofaro, einschließlich des Prüfberichts, sind auf der Seite Qualität und Analysen einsehbar.

Häufig gestellte Fragen

Bedeutet ein niedriger MOSH/MOAH-Wert, dass das Öl völlig frei von Mineralölrückständen ist?

Nein. Da Umweltbelastung praktisch überall vorhanden ist, kann kein Hersteller einen Wert von exakt null garantieren. Ein niedriger, dokumentierter Wert zeigt jedoch, dass die Kontamination entlang der Kette gering gehalten wurde.

Warum wurden auch Bio-Olivenöle in Tests wegen Mineralölrückständen bemängelt?

Weil die Kontamination nicht aus der Anbaumethode stammt, sondern aus Maschinen, Verpackung, Transport oder Umgebung – Faktoren, die das Bio-Siegel nicht abdeckt.

Wie erkenne ich, ob ein Hersteller diese Analyse tatsächlich durchführt?

Am zuverlässigsten ist die Einsicht in den konkreten Laborbericht mit MOSH- und MOAH-Werten, nicht eine allgemeine Formulierung wie „unser Öl ist rein und natürlich“.

Fazit

Mineralölrückstände sind ein Kontaminationsrisiko, das entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette entsteht und unabhängig vom Anbauverfahren auftreten kann. Ein verantwortungsvoller Hersteller kann dieses Risiko nicht auf null senken, aber er kann es messen, durch kürzere und kontrollierte Prozessschritte reduzieren und die Ergebnisse offenlegen. Wer die eigenen Analysen einsehen und die Herkunft des Öls bis zur Mühle in Torremaggiore nachvollziehen möchte, findet alle Unterlagen auf der Seite Qualität und Analysen.

Wer das Öl der nächsten Ernte probieren möchte, kann es ab dem 1. Oktober bestellen.

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